CMD / Funktions-diagnostik

Cranio-Mandibuläre-Dysfunktion (CMD)


Allgemeines



Chronische Schmerzen scheinen für die meisten Menschen in unserer modernen Gesellschaft zum Alltag zu gehören. Wer kann heute noch behaupten frei von jeglichen Beschwerden zu sein und leidet nicht zumindest zeitweilig an Kopf-, Rücken- oder Nackenschmerzen, an verspannten Gesichtspartien, sensiblen Zahnhälsen oder gar an Tinnitus? Ein anderes typisches Merkmal unserer heutigen Gesellschaft ist die chronische psychische Anspannung in unserem immer hektischer werdenden Berufs- und Privatleben. Durch diesen Stress werden nicht nur die klassischen "Zielorgane" Magen-Darmtrakt oder das Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen, auch die Zähne sind ein Hilfsmittel, um angestaute Anspannung mit Hilfe der Kaumuskulatur abzuarbeiten. Zudem erlangen viele Menschen im Laufe ihres Lebens eine fehlerhafte Körperhaltung, die wenigsten jedoch sind sich dessen auch bewusst. Wie nun die aufgelisteten Symptome im Zusammenhang stehen wird im folgenden ausführlich beschrieben.



Der Begriff CMD, Cranio-Mandibuläre-Dysfunktion leitet sich von Cranium (= Schädel), Mandibula (= Unterkiefer) und Dysfunktion (= Fehlfunktion) ab. Damit  wird eine Fehlfunktion im Zusammenspiel von Oberkiefer und Unterkiefer, bedingt durch Störungen in der Funktion der Zähne, der Kiefergelenke und der Kiefermuskulatur beschrieben. Eine sehr bekannte Form dieser Fehlfunktion stellt zum Beispiel das Knirschen (Bruxismus) dar. 


Weitere typische Symptome der CMD sind Kiefergelenksbeschwerden wie Knacken oder Reiben, Mundöffnungsstörungen und Schmerzen der Kaumuskulatur. Allerdings wissen wir heute auch dass das CMD-Krankheitsbild  sich nicht nur auf den Hals- und Schädelbereich reduziert. Da der gesamte Skelett- und Muskelapparat zusammenhängt und aufeinander aufgebaut ist, muss der ganze Mensch betrachtet werden. Deshalb ist es uns ein besonderes Anliegen Ihnen nicht nur in den Mund zu schauen sondern auch ihre Körperhaltung zu betrachten und als mögliche Ursache mit einbeziehen zu können. 
  


Alle diese Fehlfunktionen haben, wie auch der oben erwähnte Stress, eine gemeinsame Folge:    


Eine dauerhaft erhöhte Spannung verschiedener Muskelgruppen. Muskeln müssen statische Aufgaben erfüllen, um z.B. das aufrechte Gehen bei einem verkürzten Bein auf einer Seite zu ermöglichen. Die dauerhafte Mehranspannung der Muskeln bewirkt eine Übersäuerung und starke Schmerzen können auftreten. Die erhöhte Muskelanspannung kann sogar Nerven einklemmen (z.B. taube, eingeschlafene Fingerspitzen) oder die Bandscheiben aus ihrer Lage verdrängen (Bandscheibenvorfall).    


Es ist nicht immer ganz einfach diese Fehlfunktionen in Zusammenhang mit dem Mund-Kiefer-Gesichts-Bereich zu bringen. Der Biss, also die Zugehörigkeit von Ober- zu Unterkiefer ist komplizierter als man glaubt. Die außergewöhnlich geformten Kauflächen mit ihren Höckern und Tälern müssen beim Kauen punktgenau ineinander gefügt werden (wie ein Schlüssel in ein Schloss). Da die Zähne bekanntlich aus dem härtesten Material bestehen (dem Schmelz), das es im Körper aufzufinden gibt, bewirken schon relativ kleine Störungen in der Zuordnung der Zähne von Oberkiefer zu Unterkiefer empfindliche Störkontakte die eine Störung der Kaumuskulatur mit sich ziehen. Der Unterkiefer muss dann unnatürlicher Weise so gehalten werden, dass diese Störkontakte beim Zubeißen vermieden werden. Die Folge können dann die oben genannten Muskelverspannungen und Durchblutungsstörungen in der Muskulatur sein. Dies betrifft dann oft nicht nur die Kaumuskulatur, sondern auch die Nackenmuskulatur. Diese ist dafür zuständig den Kopf zu stabilisieren und passt die Kopfhaltung an die Körperhaltung an. Erschwert wird die Diagnose des Krankheitsbildes der CMD auch dadurch, dass sich der in der Muskulatur erzeugte Schmerz in andere Gebiete übertragen kann, z.B. auf das Gesicht, den Kopf oder auf die Zähne und das eigentliche Problem im Rücken liegt. Also die Ursache eine ganz andere ist, als der Ort an dem wir den Schmerz wahrnehmen! Deshalb ist uns eine genaue Anamnese und das Betrachten des gesamten Patienten ein besonderes Anliegen.
 


Sehr wichtig ist uns in diesem Bereich die fachübergreifende Zusammenarbeit und eine gute Vernetzung verschiedener spezialisierter Therapeuten. Dazu zählen manuelle Therapien durch Physiotherapie, Osteopathie oder reflektorische Fußeinlagen, Rücken-Training unter therapeutischer Kontrolle, Akkupunktur und Stressreduzierungstherapien (Taj chi, Qi gong, Yoga). Das Ziel hierbei ist das Auffinden und Behandeln der verschiedenen Störungen im Skelett und Muskelbereich, um damit eine Verminderung der Muskelspannung zu ermöglichen.
 
 


Therapie
Unser myozentrischer/ neuro-muskulärer Ansatz geht von folgender Frage aus:


"Wohin möchten die Kau- und Nackenmuskeln die an der Kieferstellung beteiligt sind den Unterkiefer positionieren, wenn sie entspannt und unmanipuliert sind und der Patient sich in aufrechter Körperhaltung befindet?" Der Gedanke der dahinter steckt ist, dass eine entspannte Zuordnung des Unterkiefers zum Oberkiefer erreicht wird bei der aus der sogenannten „Ruheschwebelage“ heraus die Zähne beim Kauen gleichmäßig und ohne Abweichungen getroffen wird. 


Dieses Ergebnis kann unter anderem durch den Einsatz eines Aqualizers (ein wassergefülltes schmales Kissen rechts und links verbunden mit einem Bügel), Tens-Anwendungen (transkutane elektrische Nervenstimulation), einer zeitaufwendigen Bissnahme im Anschluss an eine Tens-Behandlung und der Herstellung einer entsprechenden myozentrischen Aufbissschiene erreicht werden. Immer in Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten um Verspannungen der Kiefer-, Nacken- und Schultermuskulatur zu lösen.    


Häufig entsteht im Anschluss einer erfolgreichen Schienenbehandlung der Wunsch des Patienten die neu erlangte schmerzfreie Situation (Kieferlage) durch kieferorthopädische oder prothetische Maßnahmen in den Mund fest umzusetzen.

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